INSIGHT Market-Monitor: LVMH, Hermès und Kering: Was die Quartalszahlen über den Luxusmarkt verraten
Die Quartalszahlen von LVMH, Hermès und Kering zeigen einen Luxusmarkt, der sich zunehmend differenziert entwickelt. Während Mode und Lederwaren bei zwei der drei Konzerne unter Druck stehen, behauptet sich das Schmuckgeschäft weiterhin als vergleichsweise wachstumsstarke Kategorie. Damit bestätigen die Konzernergebnisse eine Entwicklung, die im Schmuckfachhandel bereits seit längerer Zeit zu beobachten ist. Zugleich werfen die Zahlen Fragen nach der künftigen Positionierung der Marken und der Wirtschaftlichkeit ihrer Vertriebsmodelle auf.
Die Zahlen im Überblick
| Konzern | Umsatz Q3 2026 | Veränderung* |
|---|---|---|
| Hermès | 4,10 Mrd. € | +4,3 % |
| LVMH | 18,50 Mrd. € | +1 % |
| Kering | 3,35 Mrd. € | −1 % |
*Organische beziehungsweise währungs- und strukturbereinigte Umsatzentwicklung gegenüber Q3 2025.
Hermès wächst weiterhin stärker als die beiden anderen Konzerne, verliert gegenüber dem zweiten Quartal allerdings an Dynamik. LVMH erreicht ein moderates Umsatzplus, während Kering trotz einer Verbesserung gegenüber den vorangegangenen Quartalen noch keinen Zuwachs erzielt.
Die eigentlichen Unterschiede werden jedoch erst bei einem Blick auf die einzelnen Geschäftsbereiche sichtbar. Bereits die Analyse der LVMH-Quartalszahlen hatte gezeigt, dass sich der Luxusmarkt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickelt. Die Ergebnisse von Hermès und Kering bestätigen dieses Bild.
Drei Konzerne, unterschiedliche Entwicklungen
Bei Hermès bleibt das Geschäft mit Lederwaren der wichtigste Wachstumstreiber. Der Umsatz steigt hier um 10,8 Prozent, während die Uhrensparte sechs Prozent verliert. Auch die übrigen Produktbereiche entwickeln sich uneinheitlich.
Bei LVMH ergibt sich ein anderes Bild. Während Mode und Lederwaren einen Umsatzrückgang von fünf Prozent verzeichnen, wächst der Geschäftsbereich Uhren und Schmuck um sechs Prozent. Damit setzt sich die unterschiedliche Entwicklung der beiden Segmente fort.
Kering wiederum leidet weiterhin unter der Schwäche seiner wichtigsten Marke Gucci. Deren Umsatz sinkt im dritten Quartal um sechs Prozent. Gleichzeitig entwickeln sich andere Geschäftsbereiche besser. Insbesondere das Schmuckgeschäft trägt dazu bei, die Rückgänge im Modebereich teilweise auszugleichen.
Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich sich selbst große, international aufgestellte Luxuskonzerne entwickeln können. Entscheidend sind nicht allein die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Positionierung einzelner Marken, die Zusammensetzung ihrer Produktportfolios und ihre Präsenz in den jeweiligen Absatzmärkten.
Dass operative Geschäftsentwicklung und die Bewertung durch die Finanzmärkte dabei keineswegs immer übereinstimmen, zeigte bereits unser Market Monitor zur Entwicklung der Luxusaktien.
Schmuck bestätigt seine Stärke
Dass sich das Schmuckgeschäft in einem schwierigen Marktumfeld vergleichsweise robust entwickelt, ist keine neue Erkenntnis. Aus dem Fachhandel kommen entsprechende Beobachtungen bereits seit rund zwei Jahren. Während sich Kunden bei anderen Luxusgütern teilweise zurückhalten, bleibt die Nachfrage nach hochwertigem Schmuck in vielen Bereichen stabil oder entwickelt sich positiv.
Diese Entwicklung bestätigte auch CHRIST-CEO Dr. Gunnar Binder im Interview mit INSIGHT-LUXURY. Er berichtete von einer bemerkenswert stabilen Schmucknachfrage, einer zunehmenden Orientierung an höherwertigen Produkten und steigenden Durchschnittsbons. Besonders die emotionale Bedeutung von Schmuck und die Bereitschaft der Kunden, in wertige Produkte zu investieren, sieht Binder als wichtige Faktoren.
Die aktuellen Konzernzahlen bestätigen diese Entwicklung erneut.
Kering Jewelry erzielt im dritten Quartal einen Umsatz von 239 Millionen Euro und wächst auf vergleichbarer Basis um elf Prozent. Im eigenen Einzelhandel beträgt das Plus sogar 18 Prozent. Zu den wesentlichen Marken des Geschäftsbereichs gehören Boucheron, Pomellato, DoDo und Qeelin.
Auch bei LVMH setzt sich die positive Entwicklung fort. Der gemeinsame Geschäftsbereich Uhren und Schmuck wächst organisch um sechs Prozent und erreicht einen Quartalsumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Über die ersten neun Monate betrachtet liegt das Wachstum bei acht Prozent.
Eine unmittelbare Vergleichbarkeit ist allerdings nur eingeschränkt gegeben. Während Kering seine Schmuckaktivitäten gesondert ausweist, fasst LVMH Uhren und Schmuck in einem Segment zusammen. Hermès wiederum veröffentlicht keine eigenständigen Schmuckzahlen. Der Bereich, in dem Schmuck gemeinsam mit Wohnaccessoires erfasst wird, verliert 1,1 Prozent.
Dennoch lässt sich festhalten, dass Schmuck innerhalb der Luxusindustrie weiterhin eine wichtige Wachstumsfunktion erfüllt. Die aktuellen Ergebnisse sind weniger Ausdruck einer überraschenden Marktveränderung als vielmehr die Fortsetzung einer bereits länger erkennbaren Entwicklung.
Dabei darf die Stärke einzelner internationaler Schmuckmarken nicht mit der Entwicklung des gesamten Schmuckmarktes gleichgesetzt werden. Wie unsere Analyse der deutschen Einzelhandelszahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigt, stehen nominalen Umsatzsteigerungen teilweise deutlich schwächere reale Entwicklungen gegenüber. Steigende Materialpreise und höhere Durchschnittswerte können die Umsätze stützen, ohne dass entsprechend mehr Produkte verkauft werden.
China bleibt ein entscheidender Unsicherheitsfaktor
Die regionale Entwicklung liefert eine weitere Erklärung für die unterschiedlichen Ergebnisse. Während die Nachfrage in den USA und Teilen Europas vergleichsweise stabil bleibt, entwickelt sich das Geschäft in China weiterhin schwierig.
Bei Hermès stagniert der Umsatz in Asien ohne Japan, während Amerika um 8,8 Prozent und Europa ohne Frankreich um 9,5 Prozent wachsen. Bei LVMH ging der Umsatz in Asien ohne Japan um fünf Prozent zurück. Besonders betroffen ist das Mode- und Lederwarengeschäft.
Bei Kering zeigt sich die Situation vor allem bei Gucci. Die Marke leidet unter einer geringeren Kundenfrequenz, insbesondere in China und Japan. Andere Marken des Konzerns entwickeln sich besser.
China bleibt damit ein wichtiger Einflussfaktor für den internationalen Luxusmarkt. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass regionale Nachfrageschwächen nicht alle Marken und Produktkategorien gleichermaßen treffen.
Bereits unser INSIGHT BUSINESS Market Monitor Global hatte diese Veränderungen aufgegriffen. Neben regionalen Verschiebungen beeinflussen ein bewussteres Kaufverhalten, die zunehmende Bedeutung des Secondhand-Marktes und veränderte Erwartungen an Luxusprodukte die Nachfrage.
Der Vertrieb: Eigene Boutiquen auf dem Prüfstand
Neben den Produktkategorien verdient die Entwicklung der Vertriebsstrukturen besondere Aufmerksamkeit. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Luxusmarken ihre eigenen Boutiquenetze ausgebaut und den klassischen Großhandel zurückgedrängt. Inzwischen rückt zunehmend die Wirtschaftlichkeit dieser Strukturen in den Mittelpunkt.
Die jüngsten Kering-Zahlen liefern dafür ein anschauliches Beispiel. Im dritten Quartal verliert das direkt betriebene Einzelhandelsgeschäft einschließlich E-Commerce drei Prozent, während Wholesale und sonstige Umsätze um drei Prozent zulegen. In den ersten neun Monaten hat der Konzern sein Filialnetz um netto 105 Standorte reduziert. Bis zum Jahresende sind mindestens 125 Nettoschließungen vorgesehen.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Gucci. Während der Umsatz im eigenen Einzelhandel um neun Prozent zurückgeht, wächst das Wholesale-Geschäft um 45 Prozent. Dieser Zuwachs erfolgt allerdings von einer niedrigen Vergleichsbasis und wird unter anderem durch die Auslieferung neuer Kollektionen beeinflusst. Eine grundsätzliche Rückkehr zum Großhandel lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Im Schmuckgeschäft zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Kering Jewelry wächst im eigenen Einzelhandel um 18 Prozent, während Wholesale und sonstige Umsätze um sechs Prozent zurückgehen.
Die Zahlen verdeutlichen, dass es keine einheitliche Antwort auf die Frage nach dem richtigen Vertriebsmodell gibt. Eigene Boutiquen bieten den Marken Kontrolle über Präsentation, Kundenerlebnis und Preispositionierung. Gleichzeitig verursachen sie erhebliche Fixkosten und setzen eine entsprechende Kundenfrequenz voraus.
Der unabhängige Fachhandel kann dort eine wichtige Rolle übernehmen, wo eigene Markenboutiquen wirtschaftlich weniger attraktiv sind oder ein breiteres Sortiment den Bedürfnissen der Kunden besser entspricht.
Eine ähnliche Perspektive beschrieb Jean-Christophe Babin im INSIGHT-LUXURY-Interview über die Zukunft der Uhrenbranche. Der Ausbau des Direktvertriebs großer Marken zwinge Multibrand-Händler zunehmend dazu, ihr Sortiment neu auszurichten und zusätzliche Marken zu entdecken. Darin sieht Babin nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Chance.
Was bedeutet das für den Uhren- und Schmuckfachhandel?
Für den Fachhandel bestätigen die Konzernzahlen zunächst eine Entwicklung, die viele Juweliere bereits aus ihrem eigenen Geschäft kennen: Schmuck behauptet sich in einem anspruchsvollen Konsumumfeld vielfach besser als andere Luxusgüter. Die Ergebnisse von Kering und LVMH liefern dafür zusätzliche Anhaltspunkte, ohne dass sich daraus eine allgemeine Wachstumsrate für den Schmuckmarkt ableiten ließe.
Im Uhrengeschäft bleibt das Bild differenzierter. Hermès meldet einen Rückgang seiner Uhrensparte um sechs Prozent. LVMH verzeichnet dagegen Wachstum im gemeinsamen Segment Uhren und Schmuck, ohne die Entwicklung beider Kategorien gesondert auszuweisen. Rückschlüsse auf den gesamten Uhrenmarkt sind deshalb nur eingeschränkt möglich.
Für unabhängige Juweliere ist darüber hinaus die Entwicklung der Vertriebsnetze relevant. Die Reduzierung eigener Boutiquen bei Kering bedeutet zwar nicht automatisch eine Rückkehr zum Multibrand-Handel. Sie zeigt aber, dass auch große Luxuskonzerne ihre Vertriebsstrukturen stärker unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überprüfen.
Daraus können sich Chancen für qualifizierte Handelspartner ergeben, insbesondere außerhalb der internationalen Luxusmetropolen. Persönliche Beratung, langfristige Kundenbeziehungen, ein sorgfältig zusammengestelltes Sortiment und ein leistungsfähiger Service bleiben wichtige Argumente für den stationären Fachhandel.
Allerdings müssen Händler diese Stärken zunehmend mit digitaler Sichtbarkeit, zeitgemäßen Informationsangeboten und einer möglichst unkomplizierten Kundenansprache verbinden.
Dass sich Online- und stationärer Handel dabei ergänzen, unterstrich auch CHRIST-CEO Gunnar Binder in unserem Interview. Kunden informieren sich online und kaufen anschließend im Geschäft – oder nutzen den umgekehrten Weg. Die konsequente Verbindung beider Kanäle ist deshalb längst Bestandteil einer erfolgreichen Handelsstrategie.
Fazit: Ein Markt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten
Die Quartalszahlen von Hermès, LVMH und Kering sprechen weder für eine umfassende Erholung noch für eine einheitliche Krise des Luxusmarktes. Vielmehr setzen sich die Unterschiede zwischen Marken, Produktkategorien und Absatzregionen fort.
Das Schmuckgeschäft bestätigt dabei seine bereits länger erkennbare Stärke. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass selbst innerhalb erfolgreicher Konzerne einzelne Geschäftsbereiche erheblich voneinander abweichen können.
Auch bei den Vertriebsstrukturen zeichnet sich eine differenziertere Entwicklung ab. Der Ausbau eigener Boutiquenetze ist kein Selbstzweck mehr. Entscheidend wird zunehmend, welche Vertriebsform in welchem Markt und für welche Kundengruppe wirtschaftlich sinnvoll ist.
Für den Uhren- und Schmuckfachhandel liegt darin eine wichtige Perspektive: Nicht die Größe eines Vertriebsnetzes allein entscheidet über seinen Erfolg, sondern seine Fähigkeit, Kunden zu erreichen, Vertrauen aufzubauen und Nachfrage in langfristige Geschäftsbeziehungen zu verwandeln.
Quellen: Quartals- und Umsatzmitteilungen von LVMH, Hermès und Kering zum dritten Quartal 2026, veröffentlicht im Oktober 2026. Ergänzende Einordnung auf Grundlage bisheriger Marktanalysen und Interviews von INSIGHT-LUXURY.





