Wer verkauft morgen Luxus?
Die Personalfrage ist eine der strategischen Herausforderungen des Fachhandels
Wer heute mit Juwelieren, Filialleitern oder Herstellern spricht, stößt früher oder später auf dieselbe Herausforderung: die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne offene Stellen.
Die aktuelle Ausbildungsumfrage des Handelsverbands Deutschland zeigt dabei auch ein strukturelles Problem. Zwar betrachten mehr als 90 Prozent der Unternehmen Ausbildung als unverzichtbar für die eigene Zukunft und bieten entsprechende Ausbildungsplätze an, gleichzeitig berichten jedoch 63 Prozent von Schwierigkeiten bei der Gewinnung geeigneter Bewerber. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt.
Titelbild: KI-generierte Illustration / INSIGHT
Ausbildung bleibt wichtig – wirkt aber nicht unmittelbar
Hinzu kommt, dass Ausbildung zwar langfristig Fachkräfte hervorbringt, kurzfristig aber kaum Entlastung schafft. Zwischen Ausbildungsbeginn und eigenständiger Beratungskompetenz liegen können Jahre liegen. In einer Zeit, in der viele Betriebe bereits heute Personal suchen, reicht der klassische Ausbildungsweg allein vielfach nicht mehr aus.
Neue Wege in der Qualifizierung – Basisseminar für Neu- und Quereinsteiger.
Vor diesem Hintergrund erhält eine Initiative der Branchenverbände besondere Bedeutung:
Gemeinsam mit der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft (DGemG) starten BVJ, BVSU und BVED ein kompaktes Basisseminar für Neu- und Quereinsteiger. Ziel ist es, innerhalb einer Woche grundlegendes Wissen zu Schmuck, Edelsteinen, Diamanten und Uhren zu vermitteln und damit den Einstieg in den Verkauf zu erleichtern.
Das Seminar ist dabei weniger die Lösung des Problems als vielmehr Ausdruck einer neuen Realität: Die Branche beginnt, alternative Wege in die Qualifizierung zu öffnen. Quereinsteiger, berufliche Umsteiger und Mitarbeiter ohne klassische Branchenausbildung werden künftig eine deutlich größere Rolle spielen müssen als in der Vergangenheit.
Mehr Informationen zum Seminar und zur Anmeldung: https://dgemg.com/seminare/457-verkaufswissen.html
Die eigentliche Herausforderung beginnt davor
Gleichzeitig wirft die Entwicklung eine weitergehende Frage auf. Der Fachkräftemangel ist nicht ausschließlich ein Problem fehlender Ausbildungsplätze oder mangelnder Weiterbildungsmöglichkeiten. Vielfach gilt die Tätigkeit im Einzelhandel als wenig attraktiv. Arbeitszeiten, Karriereperspektiven und die öffentliche Wahrnehmung des Berufsbildes erschweren die Nachwuchsgewinnung zusätzlich.
Dabei bietet gerade der hochwertige Schmuck- und Uhrenhandel Qualifikationen und Aufgaben, die weit über den klassischen Verkauf hinausgehen: Beratung, Produktwissen, Markenverständnis, Kundenbeziehungen und die Vermittlung von Handwerk, Design und Werthaltigkeit.
Mehr als eine Frage der Ausbildung
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie neue Mitarbeiter qualifiziert werden können. Die Branche wird sich zunehmend auch damit beschäftigen müssen, das Berufsbild insgesamt so attraktiv, spannend und zukunftsorientiert darzustellen, wie es eigentlich ist. Denn wer morgen Luxus verkaufen soll, muss zunächst für die Branche gewonnen werden.






