Vacheron Constantin Métiers d’Art: Sechs Tiere, sechs seltene Handwerke
Federn, Glas, gefaltetes Papier, Golddraht und Holz gehören nicht zu den Materialien, die man zuerst mit einem mechanischen Uhrwerk verbindet. Vacheron Constantin macht genau sie zum Ausgangspunkt der neuen Serie „Métiers d’Art Hommage an das Tierreich“. Sechs Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker haben ihre Disziplinen dafür auf den Maßstab eines Zifferblatts übertragen – und mussten ihre gewohnten Techniken teilweise vollständig neu entwickeln.
Die sechs Konzeptuhren sind Teil des „One of Not Many Crafts Programme“. Das Programm richtet den Blick bewusst über die klassischen Métiers d’Art der Uhrmacherei hinaus. Statt Guillochage, Emaille, Gravur oder Edelsteinfassung stehen Federkunst, Glasskulptur, Mikro-Origami, Goldstickerei, Papierplastik und Holzintarsien im Mittelpunkt.
Vier Millimeter Raum für sechs Handwerke
Die gemeinsame technische Grundlage setzt enge Grenzen: Die Gehäuse messen 42 Millimeter im Durchmesser und 12,9 Millimeter in der Höhe. Zwischen der Oberfläche des Zifferblatts und dem Saphirglas bleiben lediglich vier Millimeter für die dreidimensionalen Arbeiten. Techniken, die normalerweise an Skulpturen, Textilien, Möbeln oder großformatigen Papierarbeiten eingesetzt werden, mussten deshalb verkleinert und zugleich gegen Erschütterungen gesichert werden.
Das automatische Kaliber 2460 G4 schafft dafür eine ungewöhnlich freie Bühne. Stunden, Minuten, Wochentag und Datum erscheinen in vier Fenstern am Rand des Zifferblatts. Zeiger über der zentralen Darstellung sind nicht erforderlich. Das Werk besteht aus 237 Teilen, arbeitet mit vier Hertz und bietet 40 Stunden Gangreserve. Auf der Rückseite ist ein eigens gestalteter Rotor aus 22-karätigem Gold zu sehen, dessen Gravuren Werkzeuge des Kunsthandwerks aufgreifen.
Feathersnake: eine Schlange aus mehr als 200 Federteilen

Der französische Federkünstler Julien Vermeulen entwickelte für „Feathersnake“ eine imaginäre Schlange, die sich durch eine fantastische Pflanzenwelt bewegt. Ihr Körper besteht aus mehr als 200 winzigen Elementen, geschnitten aus sieben seltenen Federn des Glanzfasans. Gänsefedern bilden die umgebende Vegetation und den Hintergrund.
Eine speziell entwickelte Metallapplikation trägt die Federn und erzeugt ein Relief von maximal drei Millimetern. Allein für Forschung, Prototypen und Ausführung waren rund 250 Stunden erforderlich. Das weiße Goldgehäuse umfasst die Referenz 7630A/000G-H206; die Uhr ist ein Einzelstück.
Glassoctopus: Skulptur aus geschmolzenem Glas

Simone Crestani formte für „Glassoctopus“ einen transparenten Oktopus aus winzigen Glasstäben. Speziell angefertigte Werkzeuge aus Wolfram ermöglichten es, die Tentakel und den Körper in einem Format zu modellieren, das mit den gewöhnlichen Arbeitsweisen der Glasskulptur kaum vergleichbar ist.
Die nur 3,5 Millimeter hohe Skulptur schwebt über einem handguillochierten, dunkelblau beschichteten Goldgrund. Mehr als ein Jahr floss in die Entwicklung; bereits jeder Prototyp beanspruchte mindestens drei Arbeitstage. Das Gehäuse der Referenz 7630A/000R-H205 besteht aus 18-karätigem Roségold.
Oraygami: Mantarochen aus japanischem Papier

Bei „Oraygami“ lässt Anya Midori sechs Mantarochen über einem handguillochierten Meeresgrund schweben. Die fünf bis zehn Millimeter langen Tiere sind aus eigens gefärbtem japanischem Papier gefaltet und auf feinen Messingstiften in unterschiedlichen Höhen befestigt.
Midori arbeitete nur mit Fingern, Fingernägeln und der Spitze eines Zahnstochers – ohne Lupe. Weil vorhandene Origami-Faltmuster die Proportionen der Rochen nicht ausreichend wiedergaben, entstand eine neue Faltfolge. Die Entwicklung dauerte mehr als zwei Jahre. Die Weißgoldreferenz trägt die Nummer 7630A/000G-H204.
Tigerbroidery: Goldstickerei direkt auf dem Zifferblatt

Laura Baverstock stickte einen Tiger und die umgebende Vegetation mit Drähten aus 9-karätigem Gelb- und Weißgold sowie japanischer Seide. Für die schwarzen Streifen dienten keramikbeschichtete Kupferfäden; allein die Augen setzen sich aus zehn Seidenfarben zusammen.
Damit sich überhaupt direkt auf einer Uhr sticken ließ, entwickelte Vacheron Constantin eine perforierte Zifferblattplatte aus Titan. Die Position jeder Öffnung musste mit dem späteren Motiv übereinstimmen. Rund 210 Arbeitsstunden entfielen auf das fertige Zifferblatt der Weißgolduhr 7630A/000G-H207.
Papercroc: Relief aus weißem Baumwollpapier

Marianne Guély verwandelt weißes Baumwollpapier in ein Krokodil, das sich durch eine monochrome Pflanzenwelt bewegt. Bögen mit 250 und 300 Gramm Flächengewicht wurden geprägt, mit dem Laser geschnitten und von Hand in mehreren Ebenen zusammengesetzt.
Die Schuppen und Blätter entstehen auf gravierten Messingmatrizen, die auf 60 bis 70 Grad erwärmt werden. Licht und Schatten machen das nur drei Millimeter hohe Relief sichtbar. Die vier Anzeigefenster sind dabei Teil der Komposition und nicht bloß technische Aussparungen. „Papercroc“ trägt die Referenz 7630A/000R-H202 und ein Roségoldgehäuse.
Woodenwings: zwölf Holzarten für einen Falken

Anna Le Corno baute den Falken von „Woodenwings“ aus zwölf Holzarten auf, darunter gemaserte Birke, Ziricote, Tulpenholz, geräucherten Eukalyptus und Mooreiche. Drei Formen der Intarsienarbeit erzeugen die räumliche Wirkung: konzentrische Einlegearbeit im Hintergrund, mehrschichtig modellierte Furniere für den Körper und eine eigens entwickelte Montage einzelner Federn für den Flügel.
Gewöhnliche Werkzeuge waren dafür zu groß. Le Corno arbeitete unter binokularer Vergrößerung mit chirurgischen Skalpellen, mikroskopischen Fräsern und selbst gefertigten Schleifwerkzeugen. Die Roségolduhr trägt die Referenz 7630A/000R-H203.
Mehr Experiment als Kollektion
Vacheron Constantin bezeichnet alle sechs Arbeiten ausdrücklich als Konzeptuhren und Einzelstücke. Preise wurden bislang nicht genannt. Ihr Wert für die Marke liegt daher nicht in einer neuen regulären Produktlinie, sondern im Erproben von Techniken, Werkzeugen und Materialien, die bisher kaum mit der Uhrmacherei verbunden waren.
Gerade dieser experimentelle Charakter unterscheidet das Projekt von vielen Métiers-d’Art-Kollektionen. Die Tiere liefern zwar das gemeinsame Thema, im Mittelpunkt steht aber die Frage, wie weit sich ein Handwerk verkleinern lässt, ohne seine Materialität und seinen Ausdruck zu verlieren. Die sechs Uhren werden im Rahmen der Homo Faber 2026 in Venedig gezeigt.






