INSIGHT-Business Market Monitor – Global

Luxusmarkt 2026: Stabilisierung, aber keine Entwarnung

Der globale Luxusmarkt zeigt im Sommer 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Von einer breiten Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Die Nachfrage bleibt selektiv, regionale Entwicklungen verlaufen uneinheitlich und viele Kunden prüfen genauer, wofür sie Geld ausgeben.

Das jüngste Bain-Altagamma-Update beschreibt einen Markt, der sich nach zwei schwächeren Jahren wieder vorsichtig festigt. Für den gesamten Luxusmarkt wird 2026 ein Wachstum von bis zu zwei Prozent erwartet. Persönliche Luxusgüter könnten etwas stärker zulegen, bleiben aber abhängig von China, den USA, Währungsentwicklungen, geopolitischen Risiken und dem Verhalten jüngerer Käufergruppen.

China: Beauty gewinnt, Handtaschen verlieren an Selbstverständlichkeit

Besonders deutlich wird die Veränderung in China. Reuters berichtet, dass Prestige Beauty dort besser läuft als klassische Einstiegskategorien im Luxussegment, etwa hochwertige Lederwaren. Wohlhabende und aufstrebende Kunden geben eher Geld für High-End-Hautpflege, Make-up und Parfum aus als für teure Handtaschen.

Das ist mehr als eine kurzfristige Verschiebung. Es zeigt, dass Kunden Luxus neu gewichten. Produkte müssen stärker begründen, warum sie relevant sind. Hohe Preise allein tragen weniger. Kategorien, die häufiger gekauft werden, persönlicher wirken oder als „Self-Investment“ verstanden werden, können profitieren.

Für Uhren und Schmuck ist diese Entwicklung wichtig, weil sie zeigt, wie vorsichtig das mittlere und aspirative Luxussegment geworden ist. Wer nicht im absoluten Spitzensegment verkauft, muss Wert, Material, Design, Herkunft und emotionale Bedeutung klarer erklären.

Hard Luxury bleibt widerstandsfähiger

Gleichzeitig zeigen die Zahlen großer Luxuskonzerne, dass Schmuck und Uhren innerhalb des Luxusmarktes robuster bleiben können als Teile des Mode- und Lederwarengeschäfts.

Richemont meldete für das Quartal bis Ende Juni 2026 ein Umsatzplus von 20 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Die Jewellery Maisons mit Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier wuchsen um 24 Prozent; die Specialist Watchmakers legten um acht Prozent zu. INSIGHT-LUXURY hatte diese Entwicklung bereits mit Blick auf die Stärke der Schmuckmarken bei Richemont aufgegriffen.

Auch LVMH zeigte im ersten Halbjahr 2026 eine Verbesserung. Der Konzern erzielte 38,6 Milliarden Euro Umsatz, mit beschleunigtem Wachstum im zweiten Quartal. Besonders auffällig: Watches & Jewelry wuchs im zweiten Quartal organisch um elf Prozent. Tiffany & Co. und Bvlgari werden vom Konzern ausdrücklich als starke Treiber genannt. Die zuvor schwächere Entwicklung bei LVMH hatte INSIGHT-LUXURY Anfang des Jahres eingeordnet.

Damit setzt sich ein Muster fort: Schmuck und hochwertige Uhren profitieren dort, wo Produkte nicht nur als Modeartikel, sondern als Wertobjekte, Erinnerungsstücke oder langfristige Anschaffungen verstanden werden.

Secondhand, KI und Erlebnis verändern die Customer Journey

Ein weiterer Punkt aus dem Bain-Altagamma-Update ist für die Branche besonders relevant: Rund die Hälfte der Luxuskäufer prüft inzwischen den Secondhand-Markt, bevor sie neu kauft. Gleichzeitig spielt KI bereits in vielen Kaufprozessen eine Rolle. Damit verändert sich die Informations- und Vergleichsphase vor dem Kauf weiter.

Für Marken und Handel bedeutet das: Der Verkauf beginnt nicht erst am Point of Sale. Kunden vergleichen Preise, Verfügbarkeiten, Alternativen, Bewertungen und Wiederverkaufswerte früher und intensiver. Wer in dieser Phase nicht sichtbar ist, verliert Einfluss auf die Entscheidung. INSIGHT-LUXURY hat diese veränderten Informationswege bereits als zentrales Thema für die Uhren- und Schmuckbranche beschrieben.

Auch Erlebnisformate gewinnen weiter an Bedeutung. Bain und Altagamma verweisen darauf, dass erlebnisorientierter Luxus stärker wächst als der Gesamtmarkt. Für Schmuck und Uhren lässt sich daraus keine direkte Übertragung ableiten, wohl aber ein Hinweis: Beratung, Atmosphäre, Service, Events und persönliche Beziehung werden wichtiger, wenn Produkte stärker erklärt und emotional aufgeladen werden müssen.

Lieferketten bleiben Risikothema

Parallel zur Nachfrageseite rückt die Angebotsseite stärker in den Fokus. Die Ermittlungen italienischer Behörden gegen Zulieferstrukturen mehrerer Luxusmarken zeigen, wie sensibel das Thema Lieferketten geworden ist. Reuters berichtete im Juli, dass italienische Behörden Unterlagen von neun Luxusunternehmen anforderten, darunter Brunello Cucinelli, Moncler, Chanel und Bulgari. Die Unternehmen selbst waren laut Reuters nicht Beschuldigte; im Mittelpunkt standen mutmaßliche Missstände bei Subunternehmern.

Für die Luxusbranche ist das dennoch relevant. Transparenz, Kontrolle und dokumentierte Lieferketten sind nicht nur Nachhaltigkeitsthemen, sondern Reputations- und Vertrauensfragen. Gerade bei hochwertigen Produkten reicht die Strahlkraft einer Marke nicht aus, wenn Herkunft und Herstellung nicht belastbar erklärt werden können. INSIGHT-LUXURY hat Nachhaltigkeit, Herkunft und Lieferketten bereits als zentrale Zukunftsthemen der Uhren- und Schmuckbranche eingeordnet.

Was bedeutet das für Uhren und Schmuck?

Der globale Luxusmarkt stabilisiert sich, aber er wird anspruchsvoller. Wachstum entsteht nicht automatisch, sondern stärker dort, wo Produkte Substanz, Bedeutung und klare Argumente bieten.

Für Schmuck und Uhren ist das eine Chance – vor allem, wenn Materialwert, Handwerk, Design, Herkunft, Service und persönliche Bedeutung nachvollziehbar verbunden werden. Gleichzeitig steigt der Druck: Kunden vergleichen mehr, entscheiden bewusster und erwarten mehr Erklärung.

Der Market Monitor zeigt damit ein klares Bild: Die Branche bewegt sich nicht zurück in die alte Dynamik der Jahre vor der Korrektur. Sie findet in ein selektiveres Umfeld. Stabilisierung ja – aber nur für Anbieter, die Relevanz, Vertrauen und Wert überzeugend herstellen.


Quellen

Bain & Company / Fondazione Altagamma: Luxury Goods Worldwide Market Study, Spring Update 2026; Altagamma Monitor Update June 2026.
Reuters: Prestige Beauty outpaces high-end bags as China’s luxury spending evolves, 4. August 2026.
Richemont: Sales announcement for the quarter ended 30 June 2026, veröffentlicht am 15. Juli 2026.
LVMH: 2026 First Half Results, veröffentlicht am 27. Juli 2026.
Reuters: Italian police visit fashion firms including Cucinelli and Moncler in labour probe, 16. Juli 2026.
INSIGHT-LUXURY: Richemont Accelerates Growth Thanks to Its Jewelry Business; LVMH: Durchwachsene Geschäftszahlen 2025; The Watch and Jewelry Industry Caught Between New Channels of Information; Nachhaltigkeit in der Uhren- und Schmuckbranche.

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