ArtyA Complexity Métiers d’Art: Zwei Cônillons im Saphirgehäuse

ArtyA überträgt seine im Frühjahr vorgestellte Complexity auf das Feld der Métiers d’Art. Die neue, auf neun Exemplare limitierte Ausführung behält das transparente Saphirgehäuse und die ungewöhnliche Architektur aus zwei geneigten Cônillon-Tourbillons bei. Neu ist die konsequente Handveredelung von Zifferblatt und Uhrwerk, die der technisch geprägten Konstruktion deutlich mehr Tiefe und Textur gibt.

Handarbeit statt einer neuen Komplikation

Die Complexity Métiers d’Art ist keine neue technische Grundkonstruktion. Das Modell knüpft an die bei Watches & Wonders 2026 präsentierte Complexity an, die INSIGHT LUXURY bereits in der Übersicht „Viel Wirbel in Genf – Tourbillons“ vorgestellt hat. Während dort die beiden Regulierorgane und das vollständig transparente Gehäuse im Mittelpunkt standen, richtet ArtyA den Blick nun auf die Oberflächen des Werks.

ArtyA Complexity Métiers d’Art mit zwei geneigten Cônillon-Tourbillons
ArtyA Complexity Métiers d’Art. Bild: ArtyA Genève

Das fein sandgestrahlte Zifferblatt wird vollständig von Hand graviert. Vom Zentrum aus ziehen sich mit dem Stichel einzeln ausgeführte Linien über die Fläche. Unterschiedliche Tiefen lassen das Muster je nach Lichteinfall verändern. Auch die aufgesetzten Indizes sind von Hand angliert und poliert; ihre Flanken werden mit dem Schleifstab bearbeitet, während die Oberseiten sandgestrahlt bleiben.

Im Kaliber setzt sich dieser Ansatz fort. Die Oberseiten der Brücken werden von Hand gestrahlt, die Unterseiten gehämmert. Hinzu kommen polierte Anglierungen, perlierter Grund, eine gravierte Nummernplakette und schwarz rhodinierte Oberflächen. Lasergravuren beschränken sich nach Angaben von ArtyA auf technische und regulatorische Beschriftungen. Der gestalterische Mehrwert liegt damit weniger in zusätzlicher Dekoration als in den Kontrasten zwischen matten, reliefartigen und hochglänzenden Partien.

Zwei geneigte Tourbillons und ein Differential

Die technische Basis bleibt das Handaufzugskaliber Complexity-01, das ArtyA gemeinsam mit dem Komplikationsspezialisten Purtec in Vallorbe entwickelt hat. Seine Besonderheit sind zwei Cônillons bei zwölf und sechs Uhr. Anders als bei einem klassischen Tourbillon bewegt sich die Unruh dabei auf einer kegelförmigen Bahn. Beide Käfige drehen sich in 30 Sekunden und sind über ein Differential miteinander verbunden.

Das Differential verteilt die Energie des Federhauses auf die beiden Regulierorgane und bildet zugleich einen Mittelwert aus deren Gangverhalten. Damit ist es nicht nur ein optisches Bindeglied, sondern das mechanische Zentrum der Konstruktion. Das Werk besteht aus 287 Komponenten und 44 Lagersteinen, arbeitet mit 3 Hertz und bietet eine Gangreserve von 50 Stunden.

Sichtbar wird die Architektur durch ein vollständig aus massivem Saphir gefertigtes Gehäuse. Es misst 42 × 48 × 13 Millimeter und besitzt über beiden Cônillons gewölbte Bereiche, die wie optische Vergrößerungen wirken. Laut ArtyA entfallen auf die Diamantbearbeitung des Gehäuses mehr als 120 Stunden und auf die Politur weitere 140 Stunden.

Die technischen Daten der ArtyA Complexity Métiers d’Art

  • Gehäuse: massives, transparentes Saphirglas
  • Maße: 42 × 48 × 13 Millimeter
  • Uhrwerk: Handaufzugskaliber Complexity-01
  • Komplikation: zwei geneigte Cônillon-Tourbillons mit Differential
  • Frequenz: 3 Hertz beziehungsweise 21.600 Halbschwingungen pro Stunde
  • Gangreserve: 50 Stunden
  • Komponenten: 287
  • Lagersteine: 44
  • Zifferblatt: sandgestrahlt und vollständig von Hand graviert
  • Armband: integriertes Kautschukband mit ArtyA-Faltschließe
  • Limitierung: neun nummerierte Exemplare

Mechanik wird zur Arbeitsfläche

Die Neuheit zeigt, wie sich eine bereits bekannte Hochkomplikation weiterentwickeln lässt, ohne das Werk neu zu konstruieren. ArtyA nutzt Zifferblatt, Brücken und Platine als Arbeitsflächen für traditionelle Finissierung und verschiebt damit die Wahrnehmung der Complexity: Das doppelte Tourbillon bleibt der technische Kern, doch die Spuren der Handarbeit treten erstmals gleichberechtigt daneben.

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