Der Chronograph – die Kunst, Zeit zu stoppen
Manchmal möchte man die Zeit einfach anhalten – weil der Moment gerade so schön ist oder weil man bevorstehendes Ungemach noch ein wenig hinauszögern möchte.
Den Lauf der Dinge kann ein Chronograph zwar nicht stoppen – die Zeit hingegen schon. Mit der begehrten Funktion lässt sich aber nicht nur die Dauer von Ereignissen präzise messen. In Verbindung mit Pulsometern, Tachymetern oder Telemetern kann man mit Chronographen zudem Herzfrequenzen, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Entfernungen berechnen.
Chronographen – nicht nur zum Zeitmessen
Der „Cronografo Telemetro Blu Ministeriale“ von Angelus wurde in Zusammenarbeit mit ausgewählten italienischen Einzelhändlern entwickelt. Er interpretiert das Blau des italienischen Staates in einer limitierten Serie mit klassisch-technischem Charakter neu. Und er ist mit einer Telemeter-Skala auf dem Zifferblatt versehen. Damit lässt sich die Entfernung zu einem sicht- und hörbaren Ereignis bestimmen. Dies beruht auf der Tatsache, dass sich Licht nahezu augenblicklich, Schall hingegen mit einer endlichen Geschwindigkeit ausbreitet.

Aufwendige Komplikation
Nach dem Datum ist der Chronograph vermutlich die häufigste, zugleich aber auch eine der unterschätztesten Komplikationen – vielleicht gerade wegen ihres vertrauten Anblicks am Handgelenk. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie aufwendig ihre Konstruktion ist: Denn ein Chronograph vereint zwei Systeme in einem Werk – die normale Zeitanzeige und eine präzise Stoppmechanik, die per Knopfdruck ein- und ausgekoppelt wird.

Chronographen für Automobilisten
Chopard präsentiert eine neue Version des „Mille Miglia Classic“-Chronographen. Die Version „Raticosa“ ist erneut einem der Streckenabschnitte der legendären Mille Miglia gewidmet. Die „Formula 1 Automatic Chronograph x Gulf“ von TAG Heuer greift die visuellen Codes des Rennsports auf und präsentiert ein dynamisches Zifferblatt in Schwarz, Hellblau und Orange. Mit der „Black Bay Chrono Carbon 26“ zollt Tudor dem diesjährigen Rennauto des Formel 1-Teams Visa Cash App Racing Bulls Tribut.



Chronographen – die Lieblinge von Spezialisten und Enthusiasten
Chronographen finden sich traditionell in Toolwatches für Piloten, Motorsportler, Taucher und Militärs. Selbst Astronauten nutzen sie. Doch auch viele Menschen ohne professionellen Bezug schätzen Chronographen, die ihren Trägern eine sportlich-dynamische Ausstrahlung verleiht.


Hand aufs Herz, liebe Chronographenbesitzer: Wie oft nutzen Sie diese Funktion tatsächlich? Eher selten, richtig? Macht nichts. Denn es ist beruhigend zu wissen, für den Fall der Fälle eine hochfunktionale Uhr am Handgelenk zu tragen.
Chronographen zum Abheben
Mit der „Startimer Pilot Chronograph Automatic IFR“ von Alpina können Piloten die richtige Einflugbahn in die Warteschleife (Holding Pattern) bestimmen. Die „Chronomat“ von Breitling wurde in den 1980er-Jahren für die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori entworfen und hielt Kräften jenseits von 7G stand. Die neue „Chronomat B01 42“ präsentiert sich mit zeitgemäßen Neuerungen zurück. Die „Altitude Chronograph GMT“ wurde von Bremont für Langstreckenflüge, weltweite Reisen und anspruchsvolle Einsätze konzipiert.



Die Geschichte des Chronographen
Als Erfinder des Chronographen gilt gemeinhin Nicolas Mathieu Rieussec. Er entwickelte 1821 ein Gerät, um Pferderennen in Paris präzise zu messen. Das Besondere: Seine Erfindung markierte die gemessene Zeit mithilfe eines kleinen Tintentropfens auf einer rotierenden Scheibe. Daher stammt auch der Name: „Chronos“ bedeutet Zeit, „graphein“ schreiben. Ein Chronograph ist also ein Zeitschreiber.

Bereits 1816 hatte jedoch der Uhrmacher Louis Moinet eine Taschenuhr mit drei Hilfszifferblättern und einem Drücker entwickelt, mit der sich Zeitspannen bis auf 1/60 Sekunde genau messen ließen. (Bild links). 2016 erkannte Guinness World Records das Instrument offiziell als „ersten Chronographen“ an.
Historisch inspirierte Chronographen
Die Geschichte der „Santos de Cartier“ geht zurück auf das Jahr 1904. Damals bat Alberto Santos-Dumont seinen Freund Louis Cartier um eine Uhr, die es ihm erlaubte würde, während des Fluges die Zeit abzulesen. Das Ergebnis war die erste moderne Armbanduhr für Männer, welche Cartier immer wieder neu interpretiert. Louis Moinet bezieht sich mit dem neuen „1816 Tourbillon Chronograph“ auf das 1816 vom Namensgeber der Marke entwickelte Messinstrument, das heute als einer der ersten Chronographen gilt. Zenith erinnert mit der „Chronomaster Revival A384 Tropical“ an die Einführung des Kalibers El Primero im Jahr 1969, den weltweit ersten automatischen, integrierten Hochfrequenz-Chronographen.



Breitling und der zweite Drücker
Breitling machte sich nach der Gründung 1884 rasch einen Namen mit Taschenuhren, die häufig mit einer Chronographen-Komplikation ausgestattet waren. 1923 lancierte das Unternehmen den ersten Zeitmesser mit einem unabhängigen Chronographendrücker auf der 2-Uhr-Position. Dieser Drücker diente zum Starten, Stoppen und Zurücksetzen des Chronographen.
1933 meldete schließlich Willy Breitling, Enkel des Firmengründers Léon Breitling, das Patent für einen zweiten Chronographendrücker auf der 4-Uhr-Positon an. Damit war die Form und das Layout des modernen Chronographen geboren.
Sonnenanbeter – Solar-Chronographen
Der „Pontos S Solar“-Chronograph von Maurice Lacroix setzt auf orangefarbene Akzente, die sich bis zu den Zeigern des 30-Minuten-Zählers bei 9 Uhr und des 1/10-Sekunden-Zählers bei 6 Uhr erstrecken und von der Kraft der Sonne angetrieben werden. Die neuen limitierten „Astron“-Modelle „HAB005J1 Crystal Green“ und „HAB006J1 Crystal Pink“ von Seiko übersetzen die Idee von Licht und Energie in ein modernes Designstatement.


Longines und der Flyback-Chronograph
Longines präsentierte 1878 mit dem Kaliber 20H sein erstes Chronographenkaliber für präzise Zeitmessungen. Die damit angetriebenen Stoppuhren kamen vor allem auf amerikanischen Pferderennbahnen der 1880er-Jahre zum Einsatz.
1936 erhielt Longines einen Patentschutz für den 1934 vorgestellten Flyback-Chronographen, mit dem Piloten aufeinanderfolgende Flugphasen messen konnten. Der Begriff Flyback selbst stammt aus der Luftfahrt: Piloten konnten mit nur einem Knopfdruck den laufenden Chronographen stoppen, auf null stellen und sofort neu starten, ohne die üblichen drei Schritte (Stop–Reset–Start). Dies verringerte das Risiko menschlicher Fehler, beschleunigte die Entscheidungsfindung und ermöglichte schnellere Kurskorrekturen in Echtzeit.



Der 15-jährige Schutz verschaffte Longines einen bedeutenden Vorsprung bei der Entwicklung von Flyback-Chronographen, da es Wettbewerbern die Möglichkeit nahm, vergleichbare Mechanismen anzubieten. Im Jahr 1936 fand die Flyback-Funktion im Kaliber 13ZN ihren ersten Einsatzort. Damit überführte Longines die Funktion zudem in die Serienfertigung. Das integrierte Schaltradwerk trieb zahlreiche Longines-Chronographen der späten 1930er- und 1940er-Jahre an.
Viele der frühen Exemplare wurden in der Zwischenkriegszeit nach Italien und in die USA geliefert; dort trug die rasante Entwicklung der Luftfahrt dazu bei, die Flyback-Funktion bei einer neuen Generation von Piloten und technischen Pionieren zu etablieren.
Unrund – Chronographen in Tonneau- und Quadrat-Form
Die „Spirit of Big Bang Essential Taupe 42 mm“ aus leichtem, satiniertem und poliertem Titan hat Hublot mit einem neuen Zifferblatt in Carbon-Optik versehen. Für die „BR-05 Chrono S.T. Dupont“ kooperierte Bell & Ross mit der französischen Marke S.T. Dupont, bekannt für Feuerzeuge und Raucheraccessoires.


Das Rennen um den ersten Automatik-Chronographen
1969 kristallisierten sich drei Spitzenreiter im Rennen um den ersten automatischen Chronographen heraus: Zenith, Seiko und Chronomatic – ein Zusammenschluss von Heuer, Breitling, Hamilton und dem Uhrwerksspezialisten Dubois Dépraz. Je nachdem, wen man fragt und wie man das Ziel definiert, hat jeder dieser Kandidaten das Rennen gewonnen.

Im Januar 1969 präsentierte Zenith mit dem El Primero den ersten funktionsfähigen Prototypen eines automatischen Chronographen. Die ersten Exemplare erreichten ihre Besitzer jedoch erst im Herbst desselben Jahres. Die Ref. 6139 von Seiko war bereits im März 1969 erhältlich – zunächst allerdings ausschließlich in Japan.

Außerhalb Japans kam sie erst 1970 auf den Markt. Last but not least lancierten die Marken der Chronomatic-Gruppe ihre Chronographen am 3. März 1969 um 17 Uhr zeitgleich auf Pressekonferenzen in Genf.






