Jewellery-Piece of the Week: Ein „Becherling“ mit Amethyst-Druse
Es gibt Schmuckstücke, bei denen der Blick zunächst am Stein hängen bleibt. Und dann gibt es solche, bei denen man erst einmal herausfinden möchte, was man da eigentlich sieht.
Titel: Sabine Müller Ring aus der Bercherling-Serie
Der Ring aus Sabine Müllers Becherling-Serie gehört zur zweiten Kategorie.
Geschwärztes Silber trifft auf eine Amethyst-Druse – also nicht auf den glatt geschliffenen oder facettierten Amethyst, wie man ihn aus vielen Schmuckkollektionen kennt, sondern auf die offen sichtbare Kristallstruktur des Minerals.
Gerade das macht den Ring ungewöhnlich.
Amethyst-Drusen werden durchaus für Schmuck verwendet. Häufig begegnen sie einem allerdings eher als Mineralobjekt oder in deutlich naturbelasseneren Schmuckentwürfen. In dieser Kombination mit einer ausgearbeiteten, skulpturalen Ringform sieht man sie sehr viel seltener.
Von Pilzen, Wachs und Fingerabdrücken



Ringe aus der Becherling-Serie von Sabine Müller mit: goldplattiertes Silber mit Diamanten, Morganit, Amethyst und Acrylat
Der Stein passt erstaunlich gut zu einer Serie, deren Ausgangspunkt selbst in der Natur liegt.
Der Harz als Quelle der Inspiration
Sabine Müller lebt und arbeitet im Harz. Wälder, Moose, Pflanzen und Pilze gehören zu den Formen, die ihre Arbeit beeinflussen. Die bekannteste ihrer Schmuckserien heißt deshalb nicht zufällig „Becherlinge“: Benannt ist sie nach kleinen Pilzen, deren kelchartige Formen nach Regen aus dem Waldboden wachsen.
Aus dieser Beobachtung entwickelt Müller keine naturgetreuen Miniaturen. Ihre Becherlinge sind vielmehr kleine Schmuckskulpturen.
Am Anfang steht Wachs. Die einzelnen Formen werden von Hand modelliert, verändert, aufgeschnitten und neu zusammengesetzt. In die Oberfläche prägen sich dabei sogar die Fingerabdrücke der Gestalterin ein. Beim anschließenden Guss geht das Wachsmodell verloren – zurück bleibt das individuelle Schmuckstück.
Beim Ring eb.ri.mushroom kommt nun eine Amethyst-Druse hinzu.
Und plötzlich passen Gestaltung und Stein fast selbstverständlich zusammen. Die geöffneten Becherformen treffen auf eine ebenfalls offene, natürlich gewachsene Kristalloberfläche. Das Violett des Amethysts hebt sich vom geschwärzten Silber ab, ohne dass der Stein poliert oder durch einen klassischen Schliff domestiziert wird.
Das Stück wirkt dadurch ein wenig rauer, ursprünglicher – und passend zur Bezeichnung „Herbst“ auch dunkler als viele der farbintensiven Becherlinge der Serie.
Ein Stein, der nicht perfekt sein muss
Vielleicht ist es genau das, was an diesem Ring hängen bleibt.
Die Druse zeigt nicht die geometrische Perfektion eines geschliffenen Edelsteins. Ihre Wirkung entsteht aus kleinen Kristallflächen, Unebenheiten und dem Licht, das sich darin immer wieder anders bricht.
Sabine Müller beschäftigt sich nach eigener Aussage seit Langem mit organischem und kristallinem Wachstum. Bei diesem Ring treffen beide Themen unmittelbar aufeinander.
Unser Jewellery-Piece of the Week ist deshalb diesmal kein Schmuckstück, das erst durch Karatgewicht oder einen spektakulären Schliff Aufmerksamkeit sucht.
Es ist eines, bei dem die Natur einen Teil der Gestaltung einfach selbst übernommen hat.






