Uhren-News kompakt: Drei Neuheiten der Geneva Watch Days 2026
Die Geneva Watch Days 2026 brachten nicht nur große Premieren, sondern auch sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie zeitgemäße mechanische Uhren aussehen können. Micromilspec übersetzt die klassische Felduhr in ein modernes Einsatzinstrument, MB&F und M.A.D.Editions greifen gemeinsam mit Vincent Calabrese eine außergewöhnliche Zeitanzeige auf, und Louis Erard macht Roggenstroh zum Zifferblattmaterial.
Micromilspec Fieldmaster: Felduhr nach dreijährigem Praxistest

Micromilspec stellte die Fieldmaster während der Geneva Watch Days vor. Die norwegische Marke versteht das 40-Millimeter-Modell nicht als nostalgische Neuauflage einer historischen Militäruhr, sondern als Werkzeug für heutige Anforderungen. Die Grundlage lieferte ein Feldtestprogramm mit 30 aktiven Militärangehörigen: Von 2019 bis 2022 trugen sie Prototypen im Dienst und meldeten ihre Erfahrungen an die Entwickler zurück.
Aus diesen Rückmeldungen entstanden unter anderem eine auf schnelle Erfassung ausgerichtete Anzeige und ein Gehäuse aus Titan. Nach Angaben der Marke spielten dabei auch Arbeitsumgebungen mit starken Magnetfeldern eine Rolle. Die Entwicklung dauerte damit deutlich länger als ein gewöhnlicher Produkttest – drei Jahre sollten gerade jene Schwächen sichtbar machen, die sich erst im dauerhaften Einsatz zeigen.
Die Fieldmaster erscheint in zwei Ausführungen. Für die Jahresproduktion 2026 sind jeweils 75 Exemplare vorgesehen. Vorbestellungen starteten am 2. September, zeitgleich mit dem Beginn der Geneva Watch Days. Damit setzt Micromilspec auf kleine Serien, ohne die Uhr als einmalige Limited Edition zu positionieren.
MB&F M.A.D.3 × Vincent Calabrese: Die wandernde Stunde kehrt zurück


Die M.A.D.3 Vincent Calabrese von M.A.D.Editions, dem zugänglicher positionierten Schwesterprojekt von MB&F, gehörte zu den viel beachteten Neuheiten der Geneva Watch Days. Für das dritte Kapitel arbeitet das Team von Maximilian Büsser mit einem der prägenden unabhängigen Uhrmacher zusammen. Vincent Calabrese gründete 1985 gemeinsam mit Svend Andersen die AHCI, entwickelte die Architektur der Golden Bridge für Corum und meldete im Laufe seiner Karriere mehr als 40 Patente an.
Im Mittelpunkt steht eine Idee, die Calabrese bereits 1989 in seiner Baladin verwirklichte. Weil ihm der abrupte Wechsel einer klassischen Sprungstunde missfiel, ließ er die Stundenanzeige über das Zifferblatt wandern. Bei der M.A.D.3 bewegt sich die Stundenziffer fortlaufend entlang der Minuterie; ein dreieckiger Zeiger ordnet ihr die Minuten zu. So wird der Übergang von einer Stunde zur nächsten sichtbar, statt in einem Moment zu springen.
M.A.D.Editions übernahm den historischen Mechanismus nicht unverändert. Da Calabreses ursprüngliche Konstruktionen stark handwerklich geprägt und für größere Stückzahlen nur schwer reproduzierbar waren, entwickelte das Team das Modul neu. Als Basis dient das automatische La-Joux-Perret-Kaliber G111. Es arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet 55 Stunden Gangreserve.
Das Edelstahlgehäuse misst 40 Millimeter im Durchmesser, 12,7 Millimeter in der Höhe und 43,7 Millimeter über die Bandanstöße. Saphirgläser schließen es auf beiden Seiten ab. Durch den Boden ist ein Satz Calabreses zu lesen, der sich beim Drehen des Rotors Stück für Stück offenbart: Es sei leicht, anderen zu gefallen, aber deutlich schwieriger, stolz auf sich selbst zu sein.
Die M.A.D.3 kostet 2.900 Schweizer Franken zuzüglich Steuern. Die rosafarbene Variante bleibt Mitgliedern der MB&F Tribe sowie Freunden und Partnern vorbehalten. Die blaue Ausführung wurde über das für M.A.D.Editions typische Losverfahren angeboten; die Registrierung lief vom 1. bis 7. September 2026.
Louis Erard Marqueterie de Paille: Roggenstroh als Zifferblatt



Auch Louis Erards Marqueterie de Paille wurde im Umfeld der Geneva Watch Days 2026 vorgestellt. Ihr blaues Zifferblatt wirkt zunächst wie eine abstrakte, gebrochene Fläche. Tatsächlich besteht es aus Roggenstroh, das der portugiesische Künstler Bernardo d’Orey auswählt, öffnet, glättet und anschließend von Hand zusammensetzt.
Jedes Zifferblatt setzt sich aus 28 einzeln gefertigten Segmenten zusammen. Ihre Form, Größe und Faserrichtung bestimmen, wie das Licht reflektiert wird. Rund zwölf Stunden Handarbeit verteilen sich auf mehrere Tage; gearbeitet wird mit Toleranzen von weniger als einem Zehntelmillimeter. Da Farbe und Struktur des natürlichen Materials variieren, gleicht kein Exemplar exakt dem anderen.
Die Uhr misst 39 Millimeter und bleibt gestalterisch bewusst zurückhaltend, damit die Strohintarsie im Mittelpunkt steht. Im Inneren arbeitet ein automatisches Sellita-Kaliber SW261-1 in Elaboré-Qualität mit rund 38 Stunden Gangreserve. Das polierte Edelstahlgehäuse ist bis 50 Meter wasserdicht und sitzt an einem beigefarbenen Kalbslederband.
Die Louis Erard Marqueterie de Paille ist auf 25 Exemplare limitiert und kostet 4.500 Schweizer Franken.
Drei Wege, mechanische Uhrmacherei weiterzudenken
So verschieden die drei Neuheiten sind, verbindet sie mehr als ihr Auftritt in Genf. Die Fieldmaster leitet ihre Form aus tatsächlichen Nutzungserfahrungen ab. MB&F und M.A.D.Editions übertragen gemeinsam mit Vincent Calabrese eine historische Außenseiteridee in eine reproduzierbare Konstruktion. Louis Erard wiederum verändert ein unscheinbares Naturmaterial durch präzise Handarbeit.
Damit zeigen die drei Uhren exemplarisch die Bandbreite der Geneva Watch Days 2026: funktionale Instrumente, zugänglicher positionierte unabhängige Uhrmacherei und traditionelle Kunsthandwerke standen nicht getrennt nebeneinander, sondern bildeten gemeinsam ein vielfältiges Bild zeitgenössischer Uhrmacherei.






